DEUTSCHER SCHWERHÖRIGEN SPORT VERBAND
Im Deutschen Schwerhörigenbund e. V.
 
Sportliches DSSV-Winterwander-Abenteuer 2006
Lothar Fritzsche und Rita Wilbert

Während des zweiwöchigen DSSV-Winterfreizeittreffens im Hochmontafoner Gebiet sticht besonders der 13. Februar 2006 bei der höchst abenteuerlichen und sportlichen DSSV-Winterwanderung heraus. (DSSV = Deutscher Schwerhörigen Sportverband)

Tags zuvor machte der Münchner Wanderführer Lothar Fritzsche klar, dass man bei dieser verlockend sportlichen Winterwanderung gut zu Fuß und eine ordentliche Kondition haben sollte.

Dieser Ratschlag musste ernst genommen werden, da man bei über 2000m Höhe eine gewisse Schwindelfreiheit haben musste.

Jeder von uns sollte trockene Ersatzwäsche (Unterhemd, Hose, Hemd, sowie Strümpfe) und für unterwegs alkoholfreie Getränke und etwas zum Essen mitnehmen.

Empfehlenswert waren auch die Begleitstöcke, die beim Wandern wertvolle Dienste leisteten, sowie Sonnen- und Lippenschutzcreme gegen den Sonnenbrand.

Gleich frühmorgens stärkten sich alle elf Beteiligten im Hauptquartier (Pension Alpenrose in Gortiphol, 950m) am reichhaltigen Frühstücksbüffet.

Noch müde vom ungewohnten frühen aufstehen, aber gut gelaunt auf das große geheimnisvolle Abenteuer, stürzten die elf mutigen Wanderer/innen in aller Frühe zur Skibushaltestelle.

Nach ca. 15 minütiger und kostenloser Busfahrt, kamen wir in den höher gelegenen Ort Partenen (1050m) an, und wir wurden bei -12 Grad und von 72cm hohem Schnee empfangen; was uns aber nicht viel ausmachte.

Pünktlich 9 Uhr öffnete ein Sportgeschäft, und einige aus unserer Gruppe konnten die sieben vorbestellten Schneeschuhe abholen. Sie sind ein ideales Fortbewegungs-mittel, da man mit ihnen kaum in den Tiefschnee einsinkt.

Nachdem die Wanderer an der Partener Vermunt Gondel-Talstation erfuhren, dass deren Ziel, Wiesbadener Hütte (2443m) zur Zwischenverpflegung, an diesem Tag geschlossen ist, besorgten Lothar und sein Münchner Vereinskollege Ondrej Shon spontan noch für alle ein ganzes Bio-Brot, 16 deftige und würzige Knackwürste, sowie einige Verstärkungsriegeln.

Damit motivierte man die Schneewanderer für die bevorstehende 16 km lange Ausdauertour, für die man, mit Pausen, insgesamt sechs Stunden eingeplant hatte.

Ein wolkenloser und strahlend blauer Himmel lachte uns an diesem immer heller werdenden Tag entgegen.

Die Vermuntbahn brachte uns sicher in nur fünf Minuten zur Mittelstation Trominier auf 1731m hoch. (Fast 700m Höhenmeterunterschied, oder 4000 Europatreppen)

Dort erwartete uns bereits ein kleiner, 14 sitziger Tunnelbus, der mit gutem Tempo durch einen doppelt langen und einspurig schmalen Wasser-Stollen, der atem-beraubend und felsenhöhlenartig war, fuhr.

Wir fühlten uns wie in ein richtiges Bergwerk versetzt, und am Ende dieser langen Fahrt kamen wir an einen windgeschützten Plastikvorhang an. Plötzlich befanden wir uns in einer grandiosen winterlichen Silvretta Hochgebirgslandschaft.

Weiter ging es rasant mit vielen Kehren neben dem zugefrorenen Vermuntsee (1743m) nach oben zu dem auf 2030m hoch gelegenen, seit Januar zugefrorenen, Silvretta Stausee, der mit dicker Eisschicht unter hohem Schnee bedeckt war.

Hier bestaunten wir kurz die tollen uns umgebenden Berge mit dem höchsten Berg Vorarlbergs. Anschließend bereiteten sich alle Wanderer auf die harte Tortour vor.

Zunächst hatten einige Probleme mit den Schneeschuhen, da die meisten nicht wussten, wie man sie richtig anschnallte?

Das erste Gelächter ließ nicht lange auf sich warten. Schon kam das nächste, da ein anderer seine Schuhe nicht richtig angeschnallt hatte und prompt beim Gehen diese unbemerkt verlor und mit einem Fuß plötzlich im Tiefschnee bis zum Bauch absackte.

Bis man ihn aus dem Tiefschnee herausholte, vergingen kostbare Minuten, und von da an wussten alle, dass mit dieser Winterwanderung nicht zu spaßen war, zumal auch der Schnee, trotz tollen blauen Himmels, bitterkalt war.

Unser Ziel war, den Silvrettasee zu überqueren und zur Wiesbadener Hütte (2443m) in 2 Stunden hoch zu wandern, die man auch mit den geliehenen Schneeschuhen gut erreichen konnte. Ohne diese war es mühsamer, und man sackte immer wieder im weichen Schnee ein.

Einige der sportlicheren Wanderer, die ohne Schneeschuhe durch den mittelharten Schnee wanderten, hatten es schwerer, denn die Knochen wurden mehr und mehr beansprucht. Sie erreichten dennoch, jedoch 20 Minuten später, das wunderbare Ziel.

Begleitet von der mächtigen und höchsten Bergkulisse des Vorarlbergers, mit Blick auf den Piz Puin (3312m, wurde nicht umsonst als weltbekannte Sonnencreme bekannt). Ringsum nur Schnee und versteckte Gletscher.

Dort oben angelangt, hatten sechs sportliche Gipfelstürmer nur noch 20 Minuten Zeit, um die verschwitzten, nassen Kleider gegen frische, trockene Kleider auszutauschen. Zum Lohn dafür ließen sich alle die deftige Brotzeit, die man im Rucksack verstaut hatte, schmecken.

Die restlichen fünf wanderten, so weit die Füße Sie trugen; alle waren sehr tapfer, aber auch vernünftig, denn Sie achteten auf ihre kostbare Gesundheit. Denn: Je höher man wandert, umso dünner wird die Luft zum atmen.

Der Wanderführer Lothar hatte zuvor alle Wanderer gewarnt, niemals ehrgeizig bis zum letzen Atemzug in der schwierigen Schnee-Bergwelt das Ziel erreichen zu wollen.

Und wenn man zu schnell das Ziel erreicht, dann rächt sich später der eigene Körper; was auch prompt am nächsten Tag in der warmen Pension eintraf und man noch vier Tage mit der Schwäche zu kämpfen hatte.

Anfangs waren wir zu elft. Danach verstreuten sich Gruppen mit je 2-3 Personen, niemals allein und weit zurück lassend. Am Ende mussten schweren Herzens fünf Leute zurückkehren.

Dafür können die vernünftigen Umkehrer/innen von ihrer spannenden und abenteuerlichen Bergwinterwanderung zu Hause ihren Enkelkindern erzählen.

Die umgekehrten, mutigen Wanderer verdienten ein höchstes Lob, auch wenn Sie das Ziel nicht erreichen konnten. Dafür kamen sie auch heil und sicher an den vereinbarten Rücktreffpunkt an und konnten in Ruhe die wunderschöne Bergwelt genießen.

Der Wanderführer war sehr erleichtert, als alle noch vor der eisigen Dämmerung, zwar müde, aber gesund, eintrafen und alle keinen Sonnenbrand erlitten hatten.

Zur Überraschung aller, empfingen einige Nicht-Wanderer aus einer uns bekannten Gruppe uns verschwitzten und müden Abenteurer auf der Bieler Höhe Berggaststätte, und wir genossen die heiße dunkelbraunen Kakao, oder schwarze Brühe namens Kaffee.

Noch vor unserer halbwegs strapaziösen Rückwanderung, nutzten einige aus der nachfolgenden Gruppe die wunderschön gespurte Langlaufloipe rund um den zugefrorenen Stausee.

Nachdem die Nachmittagssonne plötzlich hinter dem Berg verschwunden war, wurde es schlagartig eiskalt. Die drohenden Wolken in der Ferne warnten uns vor weiterem Unheil, aber Gottlob setzte sich der blaue Himmel noch bis zum Schluss durch.

Mit dem drittletzten Tunnelbus (vor 17 Uhr) fuhren wir wieder durch die abenteuerlichen Kehren und Bergstollen zurück, um mit der Vermuntbahn Tal abwärts zum Ort Partenen zu gelangen.

Zum Abschluss ließen wir noch vor Ort in unserem beliebten "Guten Tropfen" mit einem exquisiten heißen Apfel-, Orangen-, Rum-Getränk das wunderschöne Abenteuer ausklingen.

Am Tagesende, kräftigten wir uns für den Rest des Abends in unserer Pension mit einem deftigen, warmen Abendessen in Büffetform.

Ach ja, die mutige DSSV-Wandergruppe bestand aus: Dirk Bracher (Moers), Wilfried Feck (Mainz), Birgit Neuzerling (KS), Ondrej Shon und Lothar (M), Jürgen Kruft (Leverk.), Hans J. Wilbert (Ko), Rainer Koch, Carolina Küber, Rita Wilbert und Ulrike Holstiege (F/M).